Von einem Extrem ins Andere

  • Von einem Extrem ins Andere

    Vom Stadiondach in die Kanalisation

    Christoph Nordmann, 30.07.2018

Hoch hinaus

Was haben die Festung Königsstein, ein Segelschulschiff in Bremen, die Rappbode-Talsperre im Harz und das Olympiastadion in Berlin gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Auf den zweiten Blick bietet sich aber eine neue Perspektive: wahnsinnig aufregende Eventlocations für Firmen, um besondere Seminare abzuhalten. Der technische Händler PCH aus Potsdam lädt seine Kunden einmal im Jahr zu einem speziellen Höhensicherungs- Seminar ein. Wir waren mit im Olympiastadion und haben mit Dietrich Zunk, Leiter Kompetenzzentrum Absturzprävention und Höhensicherung, gesprochen, der in seiner Funktion an den Planungen und an der Durchführung der aufregenden Seminare beteiligt ist.

Seit 2011 veranstaltet PCH aus Potsdam gemeinsam mit dem Hersteller Skylotec Seminare zum Thema Absturzsicherheit an den außergewöhnlichsten Orten. Angefangen hat alles 2011mit einem  Seminar auf der Festung Königsstein in der sächsischen Schweiz. Das kam bei den verschiedenen Kundengruppen so gut an, dass sich ganz schnell ein jährliches Event etabliert hat.

Der Kundenkreis für die Seminare ist sehr vielfältig. Die Resonanz auf die immer ausgebuchten Seminare sei sehr positiv. Das zweitägige Seminar richtet sich nicht an eine Branche, sondern hauptsächlich an Führungskräfte und Anwender. „Hintergrund ist, die vom Gesetzgeber geforderte jährliche Ausbildung so zu gestalten, dass sowohl Anwender als auch Führungskräfte einen möglichst großen Erkenntnisgewinn zu dem speziellen Thema  Arbeiten in Höhen und Tiefen haben. Dazu eignen sich auch diese sehr speziellen Orte. Entscheidend für die richtigen Sicherungsmaßnahmen ist eine korrekte Gefahreneinschätzung vor dem Beginn der Arbeiten.“, ergänzt Zunk. Denn alle Seminarteilnehmer erhalten ein Zertifikat, welches den offiziellen Normen der Unterweisung nach DGUV Regel 112-198 und 112-199 („Einsatz von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz“ und „Retten aus Höhen und Tiefen mit persönlichen Absturzschutzausrüstungen“) entspricht.

 

Olympiastadion nicht nur für Fußballfans

In diesem Jahr wurden die Teilnehmer ins Olympiastadion Berlin eingeladen. Hier ging es nicht nur in die Höhe, sondern auch in die Tiefen der Berliner Zisterne. „Erklimmen der Lichtmasten, Einstieg in Schächte, Durchführung von Wartungsarbeiten und für die Reinigung der Dächer – für all diese Bereiche benötigt man das Zertifikat rund ums Fußballstadion“, erklärt der Absturz-Profi.

Doch die Herausforderungen bei diesen Tätigkeiten sind vielfältig. „Das subjektive Empfinden von Höhe ist sehr unterschiedlich. Man muss sich doch überwinden – in fremder Umgebung mit dem gewissen Respekt vor der Höhe. Mit der richtigen PSA und der korrekten Anwendung aber kein Problem – daher üben wir die Handgriffe um mehr Sicherheit für den Anwender zu erzeugen und führen Routine ein“, führt er weiter aus.

Das praktische Seminar hat zwei Hintergründe: der Teilnehmer gewöhnt sich an die Höhe und kann Dinge routiniert ausüben und darüber hinaus jemandem helfen, sollte ein Kollege in eine Notlage geraten. Denn neben dem normalen Equipment gegen Absturz muss auch mit dem Rettungsequipment umgegangen werden können. Die Abläufe werden mit  regelmäßiger Übung immer einfacher, professionelle PSA kann dabei sinnvoll unterstützen.

 

Sicherheitsschuhe über dem Meeresspiegel

Sobald es in die Höhe geht, sind im Arbeitsumfeld Sicherheitsstiefel der Schutzklasse S3 mit Umknickschutz Pflicht – erfahrt hier mehr zum Thema Umknickschutz. Die Knöchel müssen besonders geschützt werden, da in der Höhe immer Stufen wie beispielsweise auf einer Leiter zu besteigen sind. „Die Streben in einem Hochspannungsmast sind beispielsweise  meist diagonal geschraubt. Man kann oft nicht mehr vernünftig stehen – ein Absatzkeil in der Laufsohle hilft ungemein die Standfestigkeit zu erhöhen“, stellt Zunk am konkreten Beispiel dar. Kein Wunder, dass für die Seminarteilnehmer auch im Olympiastadion Sicherheitsschuhe in S3 vorgeschrieben waren – gerne unterstützt von ELTEN.

Die Resonanz der Teilnehmer gibt Zunk und seinem Team Recht, wenn es um die Ausrichtung solcher Seminare geht. „Nicht nur, dass wir immer ausgebucht sind, wir erhalten die Tage danach jede Menge positives Feedback der Teilnehmer zu geschickt und erhalten ebenso  Anfragen für die Folgejahre.“, führt der Leiter des Kompetenzzentrums weiter aus und ergänzt: „Das Wichtigste: Egal ob Höhe oder Tiefe, man muss sicher wieder da ankommen, wo man gestartet ist. Und dabei hilft moderne PSA“.


25. Juli 2018 / von Christoph Nordmann