Vom Stuntman lernen

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    Praktisches Risikomanagement

    Christoph Nordmann, 21.07.2017

Der Risiko-Coach und was man vom Stuntman lernen kann

Physiotherapeut, Stuntman, Gründer einer Video-Agentur für Arbeitssicherheit, Risikocoach, Botschafter und auch noch Student der Psychologie. Holger Schumacher, Baujahr 1979, ist ein Tausendsassa und brennt – im wahrsten Sinne des Wortes – für seinen Beruf. Der Gladbacher war jahrelang Stuntman in der beliebten TV-Serie „Alarm für Cobra 11“. Seit 2014 Jahren bereist er die Republik als Risikocoach, berät Unternehmen im Umgang mit Risiken und gibt interaktive (Impuls-) Vorträge und Workshops. Dabei zündet er auch gerne mal Seminarteilnehmer an. Im Rahmen seines Vortrages in der ELTEN Academy haben wir mit Holger gesprochen.

ELTEN: „Holger, Stuntman zu sein ist sicherlich der Traum vieler Jungs. Risiko Coach klingt aber eher ungewöhnlich. Kläre uns auf – wie kommt man dazu?

Holger: „Wie die Jungfrau zum Kinde. 2008 hatte ich bei einem Stunt einen Unfall, der mich für ein paar Monate außer Gefecht gesetzt hat. Das ist für jemanden wie mich, der gerne sehr aktiv ist, eine äußerst unbefriedigende Situation gewesen. Während meiner Regenerationsphase konnte ich abends oft nicht schlafen, weil ich so viel Energie in mir hatte. Wohin mit all der Energie? Man schaut sich um, bildet sich weiter, lernt aus so einem Unfall. Mit der Unterstützung der BG ETEM konnte ich studieren und meine eigene Firma aufbauen. Zusätzlich habe ich mich im Bereich Coaching als Autodidakt und fachlich weitergebildet. Neben diversen erreichten Zertifizierungen hat die Erarbeitung und Entwicklung des Coaching-Konzepts ungefähr ein Jahr gedauert.“

ELTEN: Das Risiko-Coaching profitiert als von deinen – auch negativen – Erfahrungen?

Holger: „Ja, ein Unfall verändert alles. Das habe ich als Stuntman auch gelernt, und das kann man auch vom Stuntmen lernen. Risikos gehören zum beruflichen Alltag dazu. Aus diesem Grund spielt ein professioneller Umgang mit dem Thema eine sehr wichtige Rolle. Meine Erfahrungen sind in diesem Moment praktische Türöffner. Die Erkenntnisse und Tipps für die Teilnehmer sind neben der praktischen Erfahrung wissenschaftlich fundiert.“

ELTEN: An wen richten sich Deine Seminare?

Holger: „Jedermann. Führungskräfte, erfahrene Mitarbeiter, Draufgänger oder eher introvertierte Mitarbeiter. Risikoeinschätzung ist für alle Bereiche relevant. Einige Teilnehmer lernen dabei mutiger zu sein, andere wiederum weniger Risiken einzugehen. Aufmerksamkeit für die Situation entwickeln und Selbstüberschätzung einzudämmen, sind weitere zentrale Punkte. In jedem Fall lernt man viel über sich: Risikos erkennen, Kreativität im Umgang damit, perfekte Zusammenarbeit im Team und zielführende Kommunikation untereinander.“

ELTEN: In Deinem beruflichen Alltag als Stuntman warst Du vielen Gefahren ausgesetzt. Die BG ETEM schreibt für das Training eine entsprechende Persönliche Schutzausstattung (PSA) vor. Wie sorgsam gehen Du und Deine Kollegen mit dem Thema um?

Holger: „Alle wissen, dass man beispielsweise Arbeitsschuhe tragen muss, aber viele gehen damit sehr leichtfertig um. Szenen mit Feuer, Höhe, Kämpfe, Parcours oder Autostunts bergen viele Gefahren und somit immer ein Verletzungsrisiko in sich. Da muss man sich aufs Material verlassen können. Zusätzlich zählt natürlich die ausgiebige Vorbereitung.“

ELTEN: Was ist denn das A und O, um Risikos sowohl als Stuntman, aber auch in anderen beruflichen Kontexten so gering wie möglich zu halten?

Holger: „Das zentrale Ding ist die Aufmerksamkeit. Danach gilt: üben, üben, üben. Am Anfang steht immer die Planung und Organisation. Danach nimmt das Training eine zentrale Rolle ein. Als Stuntman nutzt man natürlich gerade beim Training alle Möglichkeiten, die PSA einem bieten kann. Während des Drehs geht das oft aus optischen Gründen schon nicht. Da zählen dann vor allem das Timing und die einstudierten Abläufe. So oder so gilt: ob im Beruf oder bei Stunts: man muss immer 100 Prozent fokussiert sein.“

ELTEN: Jetzt hast Du heute die Seminarteilnehmer angezündet. Das könnte man als unkonventionell bezeichnen.

Holger: „Auch hier geht es vor allem um eins: Das Risiko richtig einschätzen, Gefahren erkennen, ruhig bleiben und entsprechend reagieren. Die Teilnehmer werden gefordert und die Sinne geschärft. Eine spannende Herausforderung und eine neue Erfahrung. Dabei können Sie sich im Rahmen dieser Übungen voll und ganz auf die PSA verlassen. “

Risiko gehört zum beruflichen Alltag als Stuntman dazu. Im Rahmen des Workshops in der ELTEN Academy wurde nicht nur die Persönliche Schutzausrüstung auf Herz und Nieren geprüft, sondern auch der Wagemut und die Risikoeinschätzung der Teilnehmer. Holger Schumacher hat den Teilnehmern im Seminar – in Zusammenarbeit mit Bierbaum-Proenen und dem Dr. Curt Haefner Verlag – unter dem Titel „Wie trägerorientierte PSA-Lösungen ein Plus ein Sicherheit schaffen“ interaktiv den richtigen Umgang mit Risiken im Alltag aufgezeigt. Weitere spannende Termin unserer ELTEN Academy finden Sie hier.

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21. Juli 2017 / von Christoph Nordmann