Hoch zu Ross

  • Hoch zu Ross

    Gefahrenquelle Pferdesport

    Christoph Nordmann, 16.03.2018

Das Glück der Erde…

Reiten ist eine der populärsten Sportarten in Deutschland – etwa zwei Millionen Menschen steigen regelmäßig aufs Pferd. Ein Sprichwort sagt: „Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“. Leider ist den Reitern das Glück nicht immer hold, und so gehören auch beim Reitsport Verletzungen zur Tagesordnung – egal, ob Reiten nur ein Hobby ist oder professionell ausgeübt wird. Jährlich verunglücken etwa 93.000 Menschen beim Umgang mit Pferden. Oft betroffen sind dabei die Extremitäten.

Wir haben uns mit jemandem unterhalten, der es wissen muss:

Es riecht nach Stall – besser gesagt nach Pferdestall. Ein Geruch, der sicherlich nicht nach jedermanns Geschmack ist, aber Vera Burghardt (25) Studentin aus Geldern-Kapellen, liebt diesen Geruch. Seit über 20 Jahren zieht es sie regelmäßig in den Stall und aufs Pferd.

„Reiten ist ein fantastischer Sport. Man fördert nicht nur seine Bewegungsfähigkeit, sondern lernt auch Verantwortung für ein Lebewesen. Pferde sind aber nicht nur Schmusetiere“, berichtet die Reiterin. Seit über zehn Jahren sind sie und ihr Pony Bonita (Bonny) ein eingespieltes Team. Nichtsdestotrotz kann es immer mal passieren, dass es zu kleineren oder größeren Unfällen kommt.

 

Immer auf der Flucht

Pferde sind Fluchttiere und erschrecken sich leicht. Ob eine harmlose Plastiktüte auf dem Boden oder ein ungewohntes Geräusch – die schreckhaften Tiere springen schnell zur Seite und gehen durch. Wenn ein Pferd in Panik gerät, kann es für den Reiter, speziell für Anfänger schnell brenzlig werden. Die Gefahren sind vielfältig: neben dem Sturz vom Pferd passieren die meisten Unfälle jedoch bei der Pflege der Vierbeiner.

„Pferde können treten. Kurz nicht aufgepasst, schon stehen 800 kg auf dem Fuß. Festes Schuhwerk ist daher im Stall unerlässlich.“, berichtet Vera aus der Praxis. „Im Eifer des Gefechts kann es immer mal passieren, dass mir Bonny versehentlich auf den Fuß tritt. Nach einigen schmerzhaften Erfahrungen und gequetschten, blauen Zehen habe ich mich entschieden, Sicherheitsschuhe anzuziehen“, ergänzt die Studentin. Der große Vorteil: es bleiben nicht nur die Zehen heile, im Stall habe auch dank der modernen und schicken Optik niemand erkannt, dass es sich überhaupt um Sicherheitsschuhe handelt.

 

Wenn der Transport zur Herausforderung wird

Doch nicht nur bei der Pflege, der ansonsten sehr gutmütigen Vierbeiner sind Gefahrenquellen auszumachen, sondern auch beim Transport. „Wenn ich mit Bonny ausreiten möchte und es mal ein Stückchen weiter gehen darf, nehmen wir gerne den Hänger“, berichtet Vera. Doch bevor Bonny im Hänger ist, sind einige Mühen damit verbunden.

Zunächst wird der Hänger rücklings zum Eingang des Stalls gefahren, die schwere Heckklappe muss geöffnet werden. „Wenn ich alleine bin, ist das schon ein Akt. Die Klappe ist schwer, oftmals stütze ich sie mit dem ganzen Körper und auch den Füßen ab“, erklärt die Reiterin. Gerne geht Bonny nicht in den Hänger. „Dann zickt sie schon mal, tritt neben die Klappe und auch mal auf den Fuß“, berichtet sie weiter. Sobald Bonny im Hänger ist, verhält sie sich ganz ruhig. Das ist aber nur die Ruhe vor dem Sturm, denn rückwärts muss das in die Jahre gekommene Pony den Hänger wieder verlassen. „Dann kann es noch mal brenzlig werden, aber eigentlich ist sie da schon ganz routiniert. Generell laufen Pferde nicht gerne rückwärts“, führt sie weiter aus.

Profession Pferdewirt – besonderer Schutz für besondere Ansprüche

Doch nicht nur während des Hobbies sollten die Füße gut geschützt sein – gerade Pferdewirte, die tagtäglich mit den sensiblen Tieren interagieren, sind trotz ihrer Erfahrung oft von Verletzungen betroffen. Junge und wilde Pferde, Training für Dressur, Springen, Reiten im Gelände oder Jagdreiten – bei diesen Arbeiten mit den feinfühligen Tieren ist die Gefahr für die Füße groß. Daher empfiehlt die Berufsgenossenschaft „Deutsche Reiterliche Vereinigung“ auch Pferdewirten eine entsprechende Berufs- und Sicherheitsbekleidung. Diese berücksichtigt bis dato jedoch nur den Schutz des Kopfes, sowie des Torsos und der Wirbelsäule. Sicherheitsschuhe sind dabei noch nicht explizit vorgesehen. Die Praxis zeigt jedoch, dass Fußschutz auch beim Umgang mit Pferden effektiv vor langwierigen und vor allem schmerzhaften Verletzungen schützen kann.

 


23. März 2018 / von Christoph Nordmann