Das schwarze Gold

  • Silvio Böhme

    Der Mann für die Reifen

    Christoph Nordmann, 01.06.2018

Der Reifenflüsterer

Silvio Böhme bezeichnet es als das „schwarze Gold“. Der 53-Jährige aus dem Chemnitzer Umland, genauer gesagt Großhartmannsdorf, arbeitet seit einiger Zeit für den Reifenhersteller Pirelli bei den ADAC GT Masters und ist verantwortlich für die richtige Bereifung der Rennwagen. Auf- und Abbau der Montageanlage, Reifen Auf- und Abziehen oder Auswuchten. Erfahrt mehr zu Silvio und seinen Aufgaben in unserem Blog Beitrag.

Im ersten Leben hat Silvio eine Ausbildung zum Elektriker gemacht. Das war ihm aber zu wenig. Also hat er im Anschluss eine zweite Ausbildung zum Karosseriebaufacharbeiter absolviert und danach viele Jahre in dem Beruf gearbeitet. Für Autos hat sich der Instandhalter für Produktionsanlagen in der Automobilzulieferindustrie schon immer interessiert: „Früher, als ich noch jung, dynamisch und aufstrebend war, haben wir vor der Wende schon probiert was mehr Leistung aus Trabis und Ladas zu kitzeln.“

Im Jahr 1986, nachdem er dreieinhalb Jahre auf seinen Ausreiseantrag aus der DDR gewartet hatte, verschlug es den Rennsportfan in den Westen nach Düren. Dort hat er für einen großen BMW Händler gearbeitet und parallel dazu über ein paar „Tuninggeschichten“ erste Kontakte in die Rennsportszene geknüpft. Seit 1990 ist er regelmäßig am Rande von Rennsportevents im Einsatz.

 

Das schwarze Gold

Seit vier Jahren begleitet Silvio für den Reifenhersteller Pirelli die ADAC GT Masters Serie. „An den Renntagen dreht sich für mich alles rund um das schwarze Gold – Auf-und Abziehen, Auswuchten und auch der Auf- und Abbau der Montageanalage. In Oschersleben haben wir circa 1300 Reifen aufgezogen – das ist dann schon ein harter Job, der aber Spaß macht“, berichtet der sympathische Familienvater. „Ich probiere so oft wie möglich an den Strecken zu sein, aber das hängt natürlich auch immer vom Urlaub ab“, ergänzt er mit einem Lächeln und fügt hinzu, dass seine Frau glücklicherweise Verständnis dafür habe.

Vom Rennen selber bekomme er gar nicht so viel mit: „Man hört viel von den Autos, aber viel Zeit zum Schauen bleibt nicht. Wenn ich mal Luft habe, gehe ich gerne mal in die Boxengasse gucken und werfe auch mal einen Blick auf die Strecke. Einen kurzen Moment erleben, das reicht mir schon – die Geräuschkulisse begeistert mich schon“, berichtet Silvio mit einem Lächeln.

GT Masters im Aufschwung

Die GT Masters haben für Böhme einen familiären Charakter. „Die Teams sind über Jahre gleich geblieben, man lernt sich kennen und schafft Vertrautheit. Die Jungs und Mädels wissen, dass sie sich auf uns verlassen können“, erzählt er. Aber dieses Jahr sei etwas Besonderes, denn „es sind viele neue, aufstrebende Teams wie IronForce dazugekommen, alte wieder zurückgekehrt.“. Eine große Fahrzeugvielfalt und die Fan-Nähe machen die GT Masters zusätzlich attraktiver als andere Rennserien.

Mehr Leidenschaft als Beruf

„Leidenschaftlich gerne!“, antwortet Silvio auf die Frage, ob seine Tätigkeit an den Rennwochenenden eher Verpflichtung oder Leidenschaft sei. Man dürfe aber nicht vergessen, dass es noch andere Dinge im Leben gäbe. In Großhartsmannsdorf hat er gemeinsam mit seiner Frau ein großes Grundstück von 4500m² mit Haus und zwei schulpflichtige Kinder. „Dieser Verantwortung möchte ich natürlich auch sehr gerne gerecht werden, daher versuche ich ein gesundes Gleichgewicht hinzubekommen. Zum 24-Stunden-Rennen kommen dann manchmal auch alle mit“, berichtet der verantwortungsbewusste Vater, der in der letzten Saison acht Rennen begleitet hat.

Verantwortung übernehmen, Gefahren vermeiden

Sowohl als Instandhalter für größere Produktionsanlagen als auch an den Rennwochenenden legt Silvio viel Wert auf Verantwortungsbewusstsein. „Gefahrenquellen kann man oft schon im Keim ersticken, wenn man aufmerksam und verantwortungsbewusst vorgeht. Oft hilft Nachdenken, bevor man was tut“, berichtet er und ergänzt: „Daher hatte ich glücklicherweise bis heute auch noch keinen Arbeitsunfall.“

Wichtig ist ihm dennoch, dass man sich auf sein Equipment verlassen kann. „Wir sind an den Renntagen mindestens acht Stunden auf den Beinen, daher ist mir Tragekomfort besonders wichtig. Die Reifen wiegen inklusive Felge bis zu 30 Kilogramm. Man hantiert auch an den Montageanlagen viel an Fußpedalen, da kann man sich den Fuß auch mal einklemmen – daher ist eine Zehenschutzkappe besonders wichtig.“ Zum Schluss unseres Gespräches betont er noch mal, dass es immer wichtig sei, potentielle Gefahren abzuwägen. „Der beste Schutz ist noch immer der Verstand.“ Nichtsdestotrotz baut er an den Rennwochenende auf den LONNY red Low ESD S1P, falls eine Situation doch mal nicht so gut einzuschätzen ist.


1. Juni 2018 / von Christoph Nordmann